Wie mir ein Katheter das Leben erleichtert und zu mehr Lebensqualität beigetragen hat

März 21, 2022

Ich heiße Anne und bin 44 Jahre alt, komme aus einer niedersächsischen Kleinstadt und lebe schon seit etwas über 17 Jahren mit der Diagnose MS - Multipler Sklerose. Durch meine chronische Erkrankung habe ich neben vielen anderen Problemen, die MS-Patienten, ihren Familienangehörigen sowie Freunden und Bekannten sicherlich bekannt sein dürften, unter anderem Probleme mit der Harnblase.

MS-Annie

Schon im Februar 2006 ist mir zunehmend bewusst geworden, dass mit meiner Harnblase einiges nicht in Ordnung ist.

Damals war ich aufgrund meiner Erkrankung in einer Rehamaßnahme in Bad Segeberg, in deren Verlauf ich den vierten MS-Schub innerhalb von nicht ganz anderthalb Jahren bekommen habe. Der Schub äußerte sich so, dass ich den einsetzenden Harndrang immer erst sehr spät gespürt habe, wodurch es zu Urinverlust kam. Dieser trat teilweise unbemerkt sowie auch vor Erreichen der Toilette auf, was darauf zurückzuführen ist, dass ich eine „hyperkapazitäre“, d.h. übergroße Blase habe, die eine ungewöhnlich große Menge Flüssigkeit speichern kann.

Der Urologe vor Ort hat damals bei seiner Untersuchung 1.100 ml Urin gemessen, was ein übergroßes Fassungsvermögen im Vergleich zu dem Wert bei einer gesunden Frau ist. Darüber hinaus dauerte es häufig ein wenig, bis ich anfangen konnte Wasser zu lassen und es nahm viel Zeit in Anspruch, bis ich meine Blase vollständig entleert hatte.

Ich habe wegen des MS-Schubes gleich eine dreitägige Kortisonstoßtherapie bekommen. Da ich aufgrund der Blasenproblematik und den Nebenwirkungen der Steroidgabe nicht länger in der Lage war, aktiv an den Rehamaßnahmen teilzunehmen, mußte ich diese vorzeitig abbrechen, um mich zu Hause vom Schub zu erholen.

Von diesem Zeitpunkt an neigte ich zur leichten Inkontinenz beim Heben meines kleinen Sohnes, Husten, Niesen, Joggen sowie Hüpfen, z.B. wenn ich meine Step Aerobic und Thai Boe Kurse gegeben habe. Ich habe mir mit Einlagen geholfen und die Tatsache als zu meiner MS gehörend akzeptiert. Da die über die Jahre vom Urologen gestarteten Therapieversuche mit diversen Medikamenten keinerlei Besserung brachten, wurden diese wieder abgesetzt.

Mit den Jahren wurden die Probleme mit meiner Harnblase immer belastender.

Sie äußern sich so, dass ich weiterhin den Harndrang erst sehr spät merke. Dies tritt immer auf, wenn ich z. B. länger gesessen oder gelegen habe und dann aufstehe. Der Harndrang ist in diesem Fall so stark, dass ich als Folge sofort die Toilette aufsuchen muss. Während ich auf der Toilette sitze, entleert sich meine Blase nur in vielen kleinen Urinmengen also mit vielen Unterbrechungen und dann auch in den meisten Fällen nicht mehr vollständig. Das liegt daran, dass sie sich nicht ausreichend kontrahiert. Die daraus resultierende Restharnbildung hat zur Folge, dass es in den letzten Jahren bei mir oft zu Blaseninfekten kam.

Was mich auch immer sehr gestört hat, war dass aufgrund der Tatsache, dass sich meine Blase nur sehr langsam und nicht mehr komplett entleerte, ich immer mehrere Male auf die Toilette gegangen bin, bevor ich das Haus endgültig verlassen habe. Unangenehm bis stressig war es vor allem in den Fällen, wenn vor irgendwelchen Unternehmungen andere aus diesem Grund auf mich warten mussten. Das war z. B. immer dann der Fall, wenn ich mit meinem Mann oder meiner Freundin auf unsere Rennräder gestiegen bin, ich einen Termin oder eine längere Fahrt vor mir hatte, mein Mann und ich Familie oder Freunde besuchen oder wir zu Sportveranstaltungen oder Konzerten fahren wollten.

Auch wenn wir in den Urlaub geflogen sind und ich im Flugzeug die Toilette aufgesucht habe, fühlte ich mich immer dazu verpflichtet, mich bei anderen Passagieren entschuldigen zu müssen, dass sie länger warten mussten, bis ich die Toilette verlassen habe.

Aber auch in vielen Dingen des Alltags musste ich mich umstellen. Wenn ich z. B. das Haus für meine regelmäßigen Termine bei meinen Physiotherapeuten, Termine bei meinen Ärzten oder auch für andere Erledigungen verlassen wollte, hatte ich mir angewöhnt, nicht nur auf meine Trinkmengen zu achten, sondern im Voraus zu überlegen, wo ich gegebenenfalls die Toilette aufsuchen könnte. Daraus resultierten dann aber auch wieder neue Probleme. Leider war es nicht selten der Fall, dass mir verwehrt wurde, die Personaltoilette zu benutzen, wenn keine Kundentoilette vorhanden war. Die Reduzierung meiner Trinkmenge ist nur begrenzt möglich, da ich wegen der Nebenwirkungen der Medikamente, die ich zur Behandlung meiner MS und der zusätzlich vorhandenen degenerativen Gelenkerkrankungen, unter Mundtrockenheit leide.

Und dann hat sich mein Leben in dieser Beziehung zum Positiven verändert, als ich mich mit meinen Beschwerden erneut an meinen behandelnden Neurologen gewandt habe und er mich in die Neuro-Urologie in Herne überwiesen hat. Ich musste zwar ein halbes Jahr auf meinen Termin warten, aber das stellte für mich kein Problem dar, weil ich die große Hoffnung hatte, dass mir von den Fachleuten dort geholfen werden würde.

In der Neuro-Urologie wurden in anderthalb Stunden mehrere Untersuchungen vorgenommen und als Resultat wurde mir von der Ärztin das intermittierende Selbstkatheterisieren (ISK) nahegelegt und die Firma Wellspect als Ansprechpartner empfohlen.

Es vergingen keine zwei Wochen nach meiner Kontkataufnahme mit Wellspect, als schon ein Termin mit einer Kontinenzberaterin von Wellspect anberaumt war. Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass dieser Termin in meinem häußlichen Umfeld statt finden sollte.

Die Anleitung zum ISK erfolgte bei mir zu Hause - das fand ich sehr angenehm.

Wir saßen gemütlich im Wohnzimmer, wo wir erst alles in der Theorie besprochen haben und ich Fragen stellen konnte. Die Kontinenzberaterin brachte Infomaterial, einen kleinen Spiegel sowie genug Katheter, die ich bis zur ersten Lieferung benutzen konnte, mit. Sie erklärte mir die Anatomie der weiblichen ableitenden Harnwege, informierte mich über die verschiedenen Kathetergrößen und was für Hygienemaßnahmen beim intermittierendem Selbstkatheterisieren zu beachten sind. Wenn mir etwas unklar war, konnte ich Fragen stellen. Das alles ging ohne jeglichen Zeitdruck über die Bühne.

Danach gingen wir ins Badezimmer, wo ich unter Anleitung und mit Hilfe eines kleinen Spiegels zum ersten Mal den Einmalkatheter benutzte.

Meine Erleichterung war groß, als das Selbstkatheterisieren auf Anhieb funktionierte. Ja, es hatte sich etwas komisch angefühlt, den dünnen Schlauch, der so ein Katheter ja letztendlich ist, in meine Harnröhre einzuführen, aber es war keineswegs schmerzhaft. Das hatte ich auch nicht befürchtet, weil ich beim Urologen schon in der Vergangenheit zwecks Restharnbestimmung katheterisiert worden war, aber ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, weil ich mir vorstellen kann, dass es Betroffenen gibt, die genau davor Angst haben.

Zusätzlich war es einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich es wortwörtlich selbst in der Hand habe, ab sofort meine Harnblase schnell und effektiv, sowie komplett, entleeren zu können. Damit habe ich die Chance erhalten, mehr Zeit, Freiheit und Leichtigkeit gewinnen zu können.

Im Laufe der Zeit wurde das intermittierende Katheterisieren zur täglichen Routine.

Seitdem führe ich es vier bis sechs mal am Tag durch und habe daher nicht nur das Gefühl, sondern auch die Gewissheit, dass meine Harnblase tatsächlich leer ist. Aus diesem Grund konnte ich die Zahl meiner Toilettengänge nicht nur tagsüber sondern auch nachts deutlich reduzieren. Früher presste und drückte ich meinen Bauch, um die Harnblase möglichst weitgehend zu entleeren. Heute schiebe ich den Katheter kurz vor und zurück und bin dadurch in der Lage, den Urin komplett abzuleiten. Eine positive Begleiterscheinung des intermittierenden Selbstkatheterisierens ist das deutlich seltenere Auftreten von Harnwegsinfekten.

Auch unterwegs ist das Katheterisieren sehr einfach zu handhaben. Der Einmalkatheter hat eine kompakte Größe. Er ist kaum größer als ein Stift und paßt in jede Handtasche. Natürlich kann es bei der Anwendung immer mal vorkommen, dass ein Katheter versehentlich unsteril werden kann, wenn ich ihn berühre oder er runter fällt. Aus diesem Grund achte ich immer darauf, dass ich mindestens zwei Katheter als Reserve für den Notfall mitnehme.

Was ich an Wellspect toll finde ist der absolut unkomplizierte Bestellvorgang. Ich muss lediglich ein Rezept von meinem Urologen besorgen, auf dem er die in einem Quartal benötigte Katheteranzahl verordnet. Dieses sende ich in einem von Wellspect zur Verfügung gestellten Briefumschlag zur Bestellung an die Firma. Innerhalb von maximal einer Woche werden die auf meinen Bedarf abgestimmten Produkte direkt zu mir nach Hause geliefert.

Als sehr positiv empfinde ich auch, dass wenn ich Fragen oder ein bestimmtes Anliegen habe, ich meine Kontinenzberaterin problemlos jederzeit per Whatsapp erreichen kann und ich umgehend eine Antwort erhalte. Wir klären meine Anfrage über die App oder setzen uns bei Bedarf telefonisch in Verbindung.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass für viele Menschen das Thema Ausscheidung beziehungsweise Inkontinenz ein Tabuthema ist. Es gilt das, was auch für alle anderen Tabuthemen gilt: Viele sind betroffen, aber kaum jemand spricht darüber. Genau deswegen möchte ich jedem, der mit seiner Harnblase und/oder Kontinenz Probleme hat, raten, sich nicht aus Angst vor Peinlichkeiten aus dem Alltag zurück zu ziehen, sondern selbst aktiv zu werden und seinen Arzt auf dieses Thema anzusprechen.

Dann werdet ihr wie ich feststellen, dass es tolle Produkte gibt, die effektiv helfen und den Alltag angenehmer gestalten lassen.

 

Welche Auswirkungen die Multiple Sklerose auf die Blasenfunktion hat und das Blasen- und Darmfunktionsstörungen oft zusammen auftreten, können Sie auf unserer Homepage nachlesen. Hier stellen wir Ihnen auch die passende Lösung für Sie vor und zeigen Ihnen, wie wir Sie auf dem Weg zu der für Sie geeigneten Therapie bestmöglich begleiten können.

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